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Thema: Scheidenpilz

Scheidenpilz: Symptome, Behandlung, Vorbeugen

Scheidenpilz ist eine Infektion im Intimbereich, die mit Jucken und Ausfluss aus der Scheide einhergehen kann. Meist ist der Hefepilz Candida albicans die Ursache. Was dann hilft
07.02.2017

Kann sehr unangenehm sein: Scheidenpilz

Thinkstock/Pixland

Was ist Scheidenpilz?

Scheidenpilz ist eine Pilzinfektion im Intimbereich, bei der sich vorwiegend Vulva (äußerer Genitalbereich) und Vagina (Scheide) entzünden – daher auch Vulvovaginalcandidose genannt. Häufigster Erreger ist der Hefepilz Candida albicans. Daneben können – wenn auch seltener – andere Arten wie Candida glabrata oder Candida tropicalis zu einer Infektion führen.

Pilzinfektionen im Intimbereich treten sowohl bei Frauen als auch bei Männern auf und sind ansteckend. Vor allem bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr können sie übertragen werden. Beim Mann sind meist Eichel und Vorhaut betroffen, was sich in einer Balanitis (Entzündung von Vorhaut und Eichel) äußert.

Pilze besiedeln oft Haut und Schleimhaut, gehören also zur normalen Flora von Frau und Mann. Sie lösen aber keine Beschwerden aus, wenn sie mit anderen Mikroorganismen in einem natürlichen Gleichgewicht leben, zum Beispiel mit den Milchsäurebakterien in der Scheide. Auch vom Immunsystem werden sie in Schach gehalten.

Gerät jedoch die gesunde Flora aus dem Takt, können sich die Pilze vermehren. Zu den typischen Symptomen einer Pilzerkrankung gehören Rötung und Schwellung der betroffenen Stellen. Dazu kommen bei der Frau oft ein Brennen in der Scheide, Juckreiz und ein cremiger bis bröckeliger Ausfluss. Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs können ebenfalls auftreten.

Univ. Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Ernst Rainer Weissenbacher

Beratender Experte

Universitäts-Professor Dr. med. Dr. med. habil. Prof. h.c. Dr. h.c. Ernst-Rainer Weissenbacher ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Er betreibt seit vielen Jahren eine infektiologische Spezial-Sprechstunde (Premium Medizin Facharztzentrum, München). Schwerpunkte sind die Diagnose und Behandlung chronischer und chronisch rezidivierender Infektionen des unteren Genitaltrakts, wie Pilzinfektionen und Bakterielle Vaginose.

Herr Weissenbacher ist zudem Präsident der European Society for Infectious Diseases in Obstetrics and Gynaecology (ESIDOG, Germany) und beschäftigt sich wissenschaftlich mit Infektiologie und Immunologie in der Frauenheilkunde. Er hat das Deutsche Zentrum für gynäkologische und geburtshilfliche Infektionen mitbegründet.


Scheidenpilz: Ursachen und Risikofaktoren

Vor allem Hefepilze wie Candida albicans – selten auch Candida glabrata oder Candida tropicalis – verursachen Pilzerkrankungen im Genitalbereich. Wie alle Pilze lieben sie ein warmes, feuchtes Milieu. Candida-Arten können Sporen bilden und dadurch bei ungünstigen Lebensbedingungen überleben. In diesem Zustand bereiten sie keine Probleme.

Die Pilze besiedeln entweder direkt Haut und Schleimhaut von Scheide, Mundhöhle oder Eichel, oder sie gelangen über den Magen-Darm-Trakt dorthin. Meist leben sie dort mit anderen Mikroorganismen im Gleichgewicht. Die Scheide besiedeln zum Beispiel hauptsächlich Milchsäurebakterien. Sie produzieren Milchsäure, wodurch ein saures Milieu entsteht: Der pH-Wert der Scheide liegt normalerweise bei unter 4,5. Zusammen mit dem Immunsystem hält das die Hefepilze davon ab, sich übermäßig zu vermehren.

Bestimmte Faktoren können jedoch dazu führen, dass das Scheidenmilieu aus dem Gleichgewicht gerät. Dann können sich Candida-Pilze vermehren und die Symptome einer Pilzinfektion hervorrufen. Folgende Ursachen für Scheidenpilz gibt es:

  • Hormonveränderungen bei der Frau können die Scheidenflora beeinflussen, vor allem eine erhöhte Östrogenkonzentration. Sie kann aufgrund natürlicher Schwankungen bestehen und kommt vor allem während der Schwangerschaft vor. Sie kann aber auch durch Einnahme der Anti-Baby-Pille sowie von Hormonersatzpräparaten ausgelöst werden. Bei der Pille unterscheidet sich der Östrogengehalt je nach Präparat.
  • Auch Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus begünstigen Pilzerkrankungen.
  • Ebenso Krankheiten, die das Immunsystem schwächen, zum Beispiel AIDS.
  • Arzneimittel, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva), oder Kortison-Präparate können eine Candidose nach sich ziehen. Hauptrisikofaktor für eine Candida-Infektion im Genitalbereich stellt aber die Einnahme von Antibiotika dar: Sie werden eingesetzt, um bestimmte schädliche Bakterien abzutöten, erwischen diese aber oft nicht zielgenau, sondern darüber hinaus noch nützliche, wie die Milchsäurebakterien. Das gibt Pilzen Raum, sich zu vermehren.
  • Zudem kann eine übermäßige Hygiene im Intimbereich die natürliche Hautflora verändern und Pilzen das Wachstum ermöglichen. Vor allem der Einsatz von aggressiven oder stark parfümierten Pflegemitteln trägt dazu bei. Sie können nützliche Bakterien zerstören und schädlichen Pilzen dadurch Platz geben, sich zu vermehren.
  • Auch falsche Kleidung kann das Wachstum von Pilzen begünstigen. Enge Kleidungsstücke und synthetische Stoffe führen zu Schwitzen und Wärmestau – und somit zu einem idealen Milieu für Pilze.
  • Pilze können durch ungeschützten Geschlechtsverkehr von einem Partner auf den anderen übertragen werden.

Scheidenpilz: Symptome

Scheidenpilz bemerken Frauen meist an einem Brennen in der Scheide, an Juckreiz und einem bröckeligen weißlichen Ausfluss. Genaueres lesen Sie im Kapitel Symptome bei Scheidenpilz.

Wann zum Arzt?

Wenn Sie die Symptome einer Pilzinfektion das erste Mal verspüren oder wenn diese häufig wiederkehren, sollten Sie einen Gynäkologen aufsuchen. Auch Schwangere sollten sich an ihren Arzt oder ihre Ärztin wenden und die passende Therapie mit ihm oder ihr besprechen. Im Zweifel ist es immer empfehlenswert, medizinischen Rat einzuholen. Der Arzt kann prüfen, ob womöglich eine andere Ursache hinter den Beschwerden steckt.

Scheidenpilz: Diagnose

Kommt eine Frau mit Verdacht auf Scheidenpilz zum Gynäkologen, wird dieser zunächst verschiedene Fragen zu ihren Symptomen stellen. So versucht er, die Dauer und Ausprägung der Beschwerden abzuschätzen und zu beurteilen, ob es sich möglicherweise auch um eine andere Erkrankung handeln könnte. Dabei wird er unter anderem Fragen zu eingenommenen Arzneimitteln, der täglichen Hygiene oder derzeitigen Geschlechtspartnern stellen.

Anschließend macht der Arzt in der Regel einen Abstrich von den betroffenen Stellen. Unter dem Mikroskop wird überprüft, ob ein Pilzbefall vorliegt. Sind fadenförmige Strukturen erkennbar, ist das wahrscheinlich. Andernfalls könnte es sich auch um eine bakterielle Infektion handeln. Oft wird die Probe anschließend in einem Labor untersucht. Hier kann auch die Pilzart bestimmt werden.

Bei etwa zehn Prozent der erkrankten Frauen heilt eine Pilzinfektion nicht aus, sie tritt immer wieder auf. Wenn dies mehr als viermal pro Jahr der Fall ist, sprechen Frauenärzte von einem chronischen Scheidenpilz, genauer: einer chronischen rezidivierenden Vulvovaginalcandidose.

Besonders bei wiederkehrenden Candida-Infektionen ist eine Pilzkultur wichtig. So können auch Pilzarten entdeckt werden, die gegen die üblichen Medikamente resistent sind. Häufig auftretende Pilzerkrankungen können auch auf einen unentdeckten Diabetes mellitus hinweisen.

Selbsttest auf Infektionen?

Vor allem für Schwangere ist es wichtig, Vaginalinfektionen vorzubeugen oder sie früh zu erkennen. Denn sowohl bakterielle Vaginosen als auch Scheidenpilz können für das Baby gefährlich werden: Die Bakterien können in die Gebärmutter aufsteigen und eine Frühgeburt auslösen, eine Pilzinfektion kann bei der Geburt auf das Baby übergehen. Um früh zu erkennen, wenn der pH-Wert in der Scheide aus dem Gleichgewicht geraten ist, gibt es daher pH-Teststreifen oder pH-Testhandschuhe in der Apotheke.

Mediziner empfehlen die Tests vor allem Frauen, die ein erhöhtes Frühgeburtsrisiko haben. Sie können etwa einmal pro Woche den pH-Wert in der Scheide bestimmen. Dabei müssen sie aber beachten, dass manche Faktoren den pH-Wert für einige Zeit verändern können, zum Beispiel Geschlechtsverkehr. Ist der pH-Wert erhöht, sollten Schwangere einen Arzt aufsuchen. Achtung: Vor allem Pilze können sich auch bei einem normalen pH-Wert vermehren. Der pH-Test alleine schließt also Pilzinfektionen noch nicht aus.

Scheidenpilz: Behandlung

Zur Behandlung stehen Antipilzmittel, sogenannte Antimykotika, in Form von Zäpfchen, Cremes oder Tabletten zur Verfügung. Diese Medikamente hemmen das Wachstum der Pilze oder töten sie ab. Mehr zur Behandlung bei Scheidenpilz lesen Sie hier.

Scheidenpilz: Vorbeugen

Einer Pilzinfektion der Scheide lässt sich mithilfe verschiedener Maßnahmen gut vorbeugen. Dazu gehören die richtige Intimhygiene und Kleidung, sowie möglicherweise unterstützende Mittel für die Scheidenflora. Mehr zu den Maßnahmen, die Scheidenpilz vorbeugen können, erfahren Sie hier.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Bildnachweis: Thinkstock/Pixland, Klinikum LMU München
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